DAS MUSEUM

Die Sammlung Gerhard Schneider soll im Laufe der nächsten Jahre insgesamt an die „Bürgerstiftung für verfemte Künste“ übergehen. Neben der Erstausstattung der Stiftung mit einem Kunstbesitz im Wert von 1,5 Millionen Euro haben die Stifter in einem privatrechtlichen Vertrag weitgehend sichergestellt, dass die Sammlung zur Gänze in das Eigentum der Stiftung übergehen kann. Dies geschieht mit dem Ziel einer dauerhaften Präsentation, einer entsprechenden konservatorischen Betreuung und einer wissenschaftlichen Aufarbeitung in einem eigenen Museum.

Bislang arbeitet der Sammler seit der ersten umfangreichen Ausstellung aus seiner Kollektion zur Jahrhundertwende 1999/2000 im Solinger (Kunst)Museum Baden in stetiger Abstimmung mit seinem Direktor, Dr. Rolf Jessewitsch, zusammen.

Bericht aus der NRhZ «Unser Weg durch die Nacht» (PDF 451 KB)

Zur Entstehung des Museums Baden:

1990 verstarb der 1911 in Solingen geborene Prof. Georg Meistermann, einer der wichtigen deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, insbesondere für die ungegenständliche Bildsprache der Zeit nach 1945. Seine Frau, Prof. Edeltrud Meistermann-Seeger, übereignete der Geburtsstadt aus dem Nachlass 57 Arbeiten mit der Auflage, diese „museal zu präsentieren“. Aufgrund finanzieller Enge verständigte sich die Stadt auf ein Museums - Pilotprojekt in Form einer public private partnership, das von der Kunstmuseum Solingen Betriebsgesellschaft mbH unterhalten wird (51% städtische und 49% private Anteile). Das Solinger Ehepaar Baden gründete eine Stiftung, die für zehn Jahre zur Finanzierung des Museumsbetriebes beitragen sollte. Dafür erhielt das Haus ihren Namen. Der Museumsbetrieb wird z.Zt. neben öffentlichen Zuschüssen vor allem durch die 1998 gegründete Eugen-Otto-Butz-Kunst-Stiftung unterhalten und erfährt dabei die Unterstützung durch „Art Sponsoring Solingen“, einer Gruppe engagierter Bürger und Firmen.

Neben der Nachlass-Schenkung Georg Meistermanns übernahm die Institution weiteren städtischen Kunstbesitz. Das Museum ist auch für die Pflege von 132 Bronze- und Steinskulpturen verantwortlich, die ihm aus der Max-Kratz-Stiftung überstellt wurden. Max Kratz (1921 – 2000) schuf viele öffentliche Skulpturen im Bergischen Land und im Ruhrgebiet.

Der vorhandene Fundus von Arbeiten Georg Meistermanns prädestiniert dieses Haus, Kunst jener Zeitgenossen aufzunehmen, die wie er unter das Verdikt „entartete Kunst“ fielen. Meistermann entwickelte bereits ab 1937 seinen abstrahierenden Stil. Er entstand im Verborgenen, weil er damit gegen die Vorstellungen der nationalsozialistischen Ideologie verstieß. Dagegen verstießen aber auch viele andere Künstler, die sich weiterhin einer gegenständlichen, aber expressiven Formensprache verpflichtet fühlten. Nicht zuletzt aufgrund der Nachkriegsentwicklung, der ideologischen Instrumentierung von Kunst im Kalten Krieg, sind sie heute noch in den deutschen Museen unterrepräsentiert. In Zukunft werden diese Künstler in bisher nicht gekannter Dichte im Kunstmuseum Solingen einen einzigartigen Schwerpunkt bilden.

Die Kunstmuseum Solingen Betriebsgesellschaft ist in die Bürgerstiftung als Partner eingebunden. Sie stellt in dem unter den Stifterparteien abgeschlossenen Vertrag Räumlichkeiten im Obergeschoss des Museums unentgeltlich zur Verfügung. „Dies gilt solange, wie für die Stiftung im Zuge der Planung eines „Zentrums für verfemte Künste“ durch bauliche Erweiterung des Museums Baden keine eigenen Ausstellungsräumlichkeiten geschaffen werden.“

Damit ist ein großes Projekt ins Auge gefasst. Fasziniert von der Idee, hat sich die Berliner Architektin Sandra Schwebel in ihrer Diplomarbeit mit der Erweiterung und Umorganisation des Museums Baden zu einem „Zentrum der verfemten Künste“ beschäftigt. Schwebel Architekten, Berlin, haben für diesen Beitrag einige Abbildungen zur Verfügung gestellt. Dem Direktor des Museums und der Bürgerstiftung liegen detaillierte Unterlagen ebenso vor wie der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft.

Der Neubau liegt mit einer Gesamtlänge von 75 m und Breite von 15 m im Osten des Museumsgeländes und besteht aus drei verschiedenen Gebäudeteilen:
1. der gläsernen Vorhalle mit großen Freitreppen und Galerien
2. dem geschlossenen holzverkleideten Baukörper mit den Ausstellungsräumen
3. dem holzverkleideten Kubus mit Empfang, Konferenzräumen, Bibliothek und Büros


Planung «Zentrum für verfemte Künste»



Frontalansicht




Modell




Innenansicht
 

Nur die Leitidee zum Neubau kann hier zur Sprache kommen:

Das „Zentrum für verfemte Künste“ soll nicht nur Museum im herkömmlichen Sinne sein, sondern über die Präsentation von Kunst hinaus ein Kommunikationsort und Veranstaltungszentrum. Das ergibt sich schon aus den unterschiedlichen Bereichen, die in dem „Zentrum“ ihre dauerhafte Bleibe finden sollen. Neben dem „Museum für verfemte Kunst“ mit einem entsprechenden Forschungsbereich soll auch die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft mit ihren vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Literatur hier beheimatet sein. Und schließlich ist in das Haus auch ein spezieller musikwissenschaftlicher Bereich zu integrieren.

Ein solch breit angelegtes Zentrum wird für alle an Kultur interessierten Bevölkerungskreise interessant und stellt zugleich eine Stätte mit hohem „Freizeitwert“ dar. Dazu gehört z.B. eine optisch einladende Wirkung in Form einer großzügigen Eingangshalle. Neben zweckdienlichen Räumen für eine wirkungsvolle Präsentation der Exponate sollen Möglichkeiten zum Arbeiten, Studieren und Forschen, angeboten werden. Video- und audiovisuelle Räume sind heute eine Selbstverständlichkeit. Zur Rekreation muss eine Cafeteria bzw. ein Museumsrestaurant zur Verfügung stehen. Hinzu kommen funktionsangemessene administrative Einrichtungen in hinreichendem Umfang.

Es ist zu hoffen, dass die Errichtung der „Bürgerstiftung für verfemte Künste mit der Sammlung Gerhard Schneider“ für die Entscheidungsträger in der Politik zum permanenten Aufruf wird, dem bürgerschaftlichen Engagement zu folgen. Es ist Aufgabe der politisch Verantwortlichen aller Couleur in unserem Land, die Mittel für diese in hohem Grade politische Institution zur Verfügung zu stellen. In einem „Zentrum der verfemten Künste“, wird jene Verantwortung manifest, der wir Deutsche aus unserer und durch unsere Vergangenheit verpflichtet sind. Eine angemessene Einrichtung für die Aufarbeitung und Präsentation unserer jüngeren von vielen Verwerfungen geprägten Kultur-Geschichte zu schaffen, ist und bleibt eine (gesamt)staatliche Aufgabe, „insbesondere für die nachwachsenden Generationen ... , die sich mit deutscher Kunst und Geschichte vertraut machen wollen.“ (Gutachten Dr. Fritz Jacobi, Neue Nationalgalerie, Berlin)
 

Neubau
Planung/Entwurf/Copyright:
schwebel_architekten
Dipl.-Ing. Sandra Schwebel
Kurfürstenstraße 33
10785 Berlin

Mitarbeit:
Lars Wenkel, 3D-Animation